| Als der alte Fahrenbach, der eine zunachst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlasst er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jorg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin. Das Flugzeug nach Paris war nur halb besetzt, und so konnte Bettina Fahrenbach die Dreiersitzreihe fur sich allein beanspruchen. Daruber freute sie sich. So konnte sie ihren Gedanken nachhangen. Es war langere Zeit her, seit sie in einer Maschine nach Frankreich gesessen hatte. Damals hatte ihr Vater noch gelebt, und die letzte Reise zum Chateau Dorleac, dem im Familienbesitz befindlichen Weingut, hatte sie mit ihm gemacht. Wie viel hatte sich inzwischen verandert. Ihr Vater war tot, und das Chateau gehorte ihrem Bruder Jorg, den sie nun zum ersten Mal besuchen wollte, seit es in seinem Besitz war. Bettina schloss die Augen. Sie freute sich, Jorg und seine Frau Doris wiederzusehen. Freute sie sich auch auf das Chateau? Merkwurdig, dass sie daruber uberhaupt nachdenken musste. Die meisten Leute wurden es wahrscheinlich fabelhaft finden, auf einen solchen Besitz reisen zu durfen. Aber Gefuhle der Euphorie hatte die Fahrt nach Frankreich niemals in ihr ausgelost. Aufgeregt und glucklich war sie eigentlich immer nur gewesen, wenn sie nach Fahrenbach gefahren waren, auf den Hof, den «Stammsitz» der Fahrenbachs. Chateau Dorleac? Ihr Vater hatte es nur auf Betreiben ihrer Mutter gekauft, die sich wohl etwas davon versprochen hatte, Schlossherrin zu sein. Aber das hatte sie sehr schnell gelangweilt, als sie gemerkt hatte, dass auf den Weingutern, ob sie nun Chateau oder Domaine genannt wurden, hart gearbeitet wurde und Reprasentation keine Rolle spielte. Welche Wunsche ihrer Mutter auch immer erfullt worden waren, es hatte nichts geholfen. Sie hatte wegen eines reichen Mannes ihren Vater doch verlassen, und der Armste hatte ein Weingut in Frankreich, das er ohne das Betreiben seiner Frau niemals gekauft hatte. |