| Sie ist jung, sie ist schon, und sie ist stolz – ihr Vater, der alte Graf und Patriarch Benno von Waldenburg, wei? genau, warum er seine Lieblingstochter dazu auserkoren hat, die Herrin auf Schloss Waldenburg zu werden. Es ist die gro?e Uberraschung, die er auf der herrlichen Feier anlasslich seines 60. Geburtstags verkundet. Sie fuhrt zum Eklat – denn sein ma?loser, ungeratener Stiefsohn Ingo denkt gar nicht daran, auf seine Anspruche zu verzichten. Er will vor Gericht klagen. Die grafliche Familie wird unruhige Zeiten erleben. Aber Die junge Grafin geht unbeirrt ihren Weg – ihr naturlicher Charme, ihre Ausstrahlung, ihr Esprit machen sie zu einer wundervollen, von der Mannerwelt umschwarmten Frau. Niemand kann ihr widerstehen, wahrend sich Die junge Grafin herzensgut, doch auch sehr wahlerisch zeigt. Denn sie wei?, was sie will – und auch, wen sie will. Die junge Grafin ist eine Familiensaga, die ihresgleichen sucht. Die Erfolgsschriftstellerin Michaela Dornberg, bestens bekannt als Autorin der beliebten Serien Die Fahrenbachs und Der neue Sonnenwinkel, zieht alle Register. Die junge Grafin ist eine weit herausragende Figur, ein uberzeugender, zum Leben erwachender Charakter – einfach liebenswert. Alexandra von Waldenburg strich sich wie erwachend uber die Stirn, als gelte es, einen bosen Spuk zu vertreiben. Aber das, was sie gerade erlebt hatte, war kein Spuk, und im Grunde genommen war es auch nichts Entsetzliches, sondern die Reaktion ihrer Schwagerin Marion auf ein traumatisches Erlebnis. Vielleicht hatte Marion etwas uberreagiert, aber welche Mutter wurde das nicht nach einer zum Gluck glimpflich abgelaufenen Entfuhrung ihrer Tochter tun. Ihr Bruder Ingo, der Vater der kleinen Michelle, hatte zwar nichts mit der Entfuhrung zu tun, er hatte, ganz im Gegenteil, der Polizei wichtige Hinweise gegeben. Aber Fakt war auf jeden Fall, dass er die Entfuhrer kannte aus seiner Zeit als Zocker. Er hatte zwar glaubhaft versichert, mit dem Spielen aufgehort zu haben, in einer Therapie zu sein, mit diesen Leuten nichts mehr zu tun zu haben. Sie hatte ihm das abgenommen, ihre Eltern auch. Aber beispielsweise ihre Schwester Sabrina glaubte nicht an die Lauterung Ingos. Und war es dann Marion, seiner geschiedenen Frau, zu verdenken, dass sie auch erhebliche Zweifel hatte? Dass sie Angst hatte, eine solche Entfuhrung konne sich wiederholen? Die kleine Michelle war das schwachste Glied in der Kette. An Kinder kam man am schnellsten dran, das hatte man ja gesehen. Es ware niemand auf den Gedanken gekommen, Michelle konnte aus dem Kindergarten entfuhrt werden. Auch wenn Michelle nicht von Waldenburg hie?, sondern Bouvier, wie ihre Mutter, die nach der Scheidung ihren Madchennamen wieder angenommen hatte. Man musste nicht mit uberma?igen Geistesgaben gesegnet sein, um zusammenzahlen zu konnen, dass Michelle eigentlich ein Nachkommling der reichen Grafenfamilie von Waldenburg war und demzufolge erfolgreich erpressbar. Alexandra bekam eine Gansehaut, als sie daran dachte, welche Angste sie ausgestanden hatten, als Michelle aus dem Kindergarten verschwunden war, abgeholt mit einer gefalschten Vollmacht. Marion hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten, und ihre Nerven hatten auch blank gelegen. Niemand war von der Entfuhrung unberuhrt geblieben. Selbst Ingo, der Kindesvater, der leider mit seiner Tochter bislang nichts am Hut gehabt hatte, war sofort angereist. Alexandra seufzte. |